Persönlichkeit entfalten - Im eigenen Tempo lernen

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Mit Respekt und Toleranz in die Zukunft

Tiergestützte Pädagogik

 

1. Entstehungsgeschichte der tiergestützten Pädagogik an der Sehusaschule

Tiergestützte Pädagogik kann das Lernen und Verhaltenstraining in der Förderschule unterstützen, die soziale Interaktion beeinflussen und außerdem viel Spaß und Freude machen.
An der Sehusaschule wird tiergestützte Pädagogik mit Hunden seit 2003 praktiziert. Seit dieser Zeit sind wechselnde Mensch-Hund-Teams an der Sehusaschule im Einsatz. Derzeit sind das

Frau Schröter mit Lily

schroeter
 

Frau Krautwig mit Sunny

krautwig

 

2. Definition und Wirkungsweise der tiergestützten Pädagogik

Unter tiergestützter Pädagogik kann man den gezielten Einsatz eines Tieres im Rahmen eines pädagogischen Konzeptes verstehen. Dafür eignen sich besonders Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen, Esel und Pferde aber auch Hühner, Schweine, Delfine und viele andere Tiere.
Der jeweilige Pädagoge setzt sein Tier in den Mensch-Hund-Situationen zielorientiert ein. Dabei steht es trotz seines großen Einflusses häufig nicht im Mittelpunkt der Arbeit, vielmehr soll es die eigentliche pädagogische Arbeit unterstützen.
Wichtige Faktoren der tiergestützten Pädagogik sind unter anderem Freude, Entwicklung von Selbstvertrauen und Eigeninitiative, Motivation, Ablenkung von Sorgen und Proble-men, gezielte Konzentration, Haut- und Fellkontakt mit einem anderen Lebewesen (Tier) und insgesamt vielfältige Wahrnehmungserfahrungen.


Die Wirkungsweise von Tieren auf Menschen ist ganzheitlich und verbindet

  • körperlich, sinnliche
  • emotional, psychische
  • soziale
  • und kognitive Anteile des Menschen

Tiergestützte Pädagogik wirkt vor allem stark positiv im emotionalen und sozialen Be-reich. Im Rahmen der tiergestützten Pädagogik kann es zu einem Prozess wachsender Selbsterfahrung und –akzeptanz kommen. Aber nicht nur die Selbstwahrnehmung, sondern auch die Fremdwahrnehmung wird gefördert.

3. Die pädagogischen Schwerpunkte der tiergestützten Pädagogik an der Sehusaschule

Dem Unterricht liegt unter anderem ein ganzheitlicher pädagogischer Ansatz zu Grunde, d.h. die Ansprache bzw. Einbeziehung der kognitiven, der sozialen, der emotional-psychischen und der sinnlichen Ebene.
Die Unterrichtsstunden mit tiergestützter Pädagogik haben folgende Schwerpunkte:

Kommunikation und Interaktion

  • Zwischen Schüler*in und Hund
  • Zwischen Schüler*innen untereinander
  • Zwischen Schüler*innen und Lehrer*in

Tiere nehmen vor allem die analogen Anteile der Kommunikation wahr, die von Men-schen gesendet werden, weniger die digitalen Anteile. Die Kommunikation zwischen Mensch und Hund verläuft vor allem über die visuelle Wahrnehmung (z.B. der Körpersprache), über Berührungen (taktil), Geräusche (auditiv) und Gerüche (beim Hund). Hinzu kommt die emotionale Ebene. Diese Formen der Kommunikation spielen bei Kindern eine große Rolle, werden im normalen Schulunterricht jedoch im Vergleich zur verbalen Kommunikation wenig gefördert.
Lehren und Lernen in der Schule sind ein Stück Einbeziehung und ebenso wie diese eine dialogische Interaktion, immer stark beziehungsabhängig. Lernen ist außerdem immer von Emotionen begleitet und spielt sich in sozialen Beziehungen und Situationen ab.
Die Beziehungsebene spielt in der Förderschule eine besonders wichtige Rolle, weil viele Kinder und Jugendliche Schwierigkeiten mit sich und der Umwelt und speziell oft negative Erfahrungen mit Schule und Lehrer*innen haben.
Die sozialen Beziehungen der Schüler*innen untereinander werden durch das gemeinsame Interesse am Hund, das gemeinsame Erleben der Stunden mit ihm verbessert. Einfühlungsvermögen und gegenseitige Rücksichtnahme, Kontaktaufnahme und dialogische Interaktion werden gefördert.
Es ist schön, Schüler*innen zu beobachten, die sich – ohne groß über ihre Ängste und Probleme zu reflektieren – einer sie fordernden und ausfüllenden Handlung hingeben, ganz in dieser Situation aufgehen und das „Hier und Jetzt“ mit dem Hund erleben und genießen.
Manche der eingesetzten Hunde spielen und kuscheln sehr gern. Und wenn sich ein Kind auf dieses intensive Erleben von Spielen und Kuscheln einlässt, dann findet es hier vielleicht etwas von sich selbst, das sonst häufig überdeckt ist. Beziehungsgestörten Kindern fällt es oft leichter zu einem Tier Kontakt aufzunehmen, Vertrauen aufzubauen und sich ihm anzuvertrauen als zu Menschen. Das Arbeiten mit dem Hund, das gemeinsame Bewältigen von kleinen Trainingsübungen, steigert mit der Zeit sichtbar das Selbstvertrauen der Schüler*innen und das Vertrauen zum Hund. Der Hund als „pädagogischer Begleiter und Helfer“ im Unterricht verbessert nach Einschätzung der Lehrkräfte die Beziehung zwischen den Schüler*innen untereinander und zur Lehrkraft nachhaltig. Dies ist eine günstige Voraussetzung für die Entwicklung von Verhaltensalternativen auf Seiten der Schüler*innen, d.h. die Entwicklung von sozial angemessenen Verhaltensweisen. Das wiederum macht auch Leistungsverbesserungen möglich.
Themen wie Abstammung des Hundes vom Wolf, Tierquälerei (z.B. das Fettfüttern bzw. nicht artgerechte Füttern, das Aussetzen von Hunden oder Gewaltanwendung) und Bedürfnisse des Haustieres Hund bekommen in Kombination mit der praktischen Annäherung an einen Hund konkrete Bedeutung.
Tiergestützte Pädagogik, über einen längeren Zeitraum angewandt, ist deshalb auch ein Beitrag zum Tier- und Naturschutz.

Annäherung und Angstabbau vor Hunden
Manche Kinder haben schlechte Vorerfahrungen mit Hunden gemacht, wurden eventuell sogar gebissen oder haben Negatives gehört. Es gibt Schüler*innen, die Angst vor Hunden haben oder diesen Tieren ablehnend gegenüber stehen.
Vermittlung von Sachwissen und Aufklärung über den richtigen Umgang mit Hunden ist bei diesen Schüler*innen besonders wichtig, denn häufig ist die Angst begründet in dem Gefühl des Ausgeliefertseins. Wird die Erfahrung gemacht, dass das eigene Verhalten das Verhalten des Hundes bestimmt und verändern kann, erleben die Kinder eine Selbst-wirksamkeit, die ihr Selbstvertrauen stärkt.
Die theoretische und praktische Annäherung an den Hund und der Angstabbau vor ihm und anderen Hunden stehen in fortwährender Verbindung.
Wichtig ist, dass der Tierkontakt immer nur ein Angebot an das Kind ist, nie aber zu einem Muss wird. So, wie der Hund zu verstehen gibt, wann er keine Lust auf Kommunikation hat, so bestimmen auch die Kinder den Zeitpunkt der weiteren Annäherung selbst.

Richtiger Umgang mit dem Hund
Die Kinder und Jugendliche treffen täglich außerhalb der Schule Hunde, denn sie gehören zu unserer Lebensumwelt. Richtiges Verhalten gegenüber fremden und bekannten Hunden ist deshalb wichtig. Das Lernen beginnt schon im Kleinkindalter mit Unterstützung der Eltern oder Bekannter. Manchmal bekommen die Kinder aber auch keine Hilfe. Möglicherweise wird ihnen ein falsches Verhalten gezeigt oder Angst vor Hunden vermittelt.
Bestehende Vorurteile gegenüber Hunden, schlechte Erfahrungen und Unwissenheit können das Verhältnis zwischen Kind und Hund nachteilig beeinflussen und zu (gefährlichen) Missverständnissen führen. Durch gezielte Aufklärung soll richtiges Verhalten anschaulich vermittelt werden. Eventuell bestehende Ängste sollen abgebaut und durch Verständnis und Respekt vor dem Hund ersetzt werden. Bevor es in der Schule zu der Realbegegnung mit dem Hund kommt, werden die Schüler*innen mir den wichtigsten Verhaltensregeln gegenüber den Hunden vertraut gemacht. Diese Regeln werden dann während des Unterrichts mir dem Hund praktisch veranschaulicht und ergänzt.
Wichtig für die Vermittlung eines guten Umgangs mit Tieren ist das Verhalten und die Persönlichkeit der Lehrer*in. Die Art und Weise, wie die Schüler*innen an Tiere, ihre Eigenschaften und Bedürfnisse herangeführt werden ist bedeutsam für ihr Verhältnis und ihren Umgang mit Tieren.
Wenn ein Tier als Unterrichtsinhalt auf der überwiegend sachlichen, theoretischen Ebene behandelt wird, fällt es den Schüler*innen schwer, einen emotionalen Zugang zu finden und es bleibt meist eine oberflächliche Beschäftigung mit dem Tier. Eine zusätzliche intensive Begegnung zwischen Kind und Tier auf der körperlich-sinnlichen, emotionalen, seelischen und kognitiven Ebene hat ganz andere Effekte und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Kinder und Jugendliche können Respekt, Zuneigung, Vertrauen und Verständnis gegenüber dem Tier aufbauen und entsprechend artgerecht mit ihm umgehen lernen.
Die Fortschritte der einzelnen Schüler*innen im Hinblick auf den Angstabbau vollziehen sich unterschiedlich schnell. So wie auch jedes Kind eine ganz eigene, mehr oder weniger enge Beziehung zu dem Hund aufbaut.
Erziehung ist Ermutigung - das gilt auch im Umgang mit dem Hund.

4. Grundvoraussetzung für den Einsatz der Hunde im Unterricht

Formalitäten
Selbstverständlich werden alle Hunde regelmäßig vom Tierarzt untersucht, geimpft und entwurmt. Eine Haftpflichtversicherung ist selbstverständlich. Die notwendigen Unterlagen liegen der Schule vor. Vor dem Einsatz der Hunde im Unterricht werden die Eltern schriftlich über diese Form des Unterrichts informiert und um ihr schriftliches Einverständnis gebeten. Für den Fall, dass ein Kind eine Hundehaarallergie hat, werden individuelle Absprachen getroffen.
Selbstverständlich achten die Lehrkräfte darauf, dass die Kinder sich nach der Arbeit mit dem Hund die Hände waschen.

Adobe PDF file icon 32x32 Elterninformation 

Adobe PDF file icon 32x32 Einverständniserklärung

Eignung der Hunde
Grundsätzlich ist die Eignung eines Hundes für diese Art der Arbeit weder von der Rasse noch vom Alter abhängig. Die Hunde müssen Menschen zugewandt, gesund und belastbar sein.
Noch wichtiger aber ist es für den menschlichen Partner im Blick zu haben, welche Arbeitssituationen für den Hund in einer bestimmten Situation zumutbar ist und welche nicht. Um also eine „tierische Reaktion“ auf eine Überforderungssituation zu vermeiden, müssen die Lehrkräfte die Gesamtkonstellation jederzeit im Blick behalten und auch gegebenenfalls Begegnungen abbrechen.
Ähnlich wie bei Menschen sind auch Hunde individuell verschieden. Manche genießen Körperkontakt und Streicheln, andere empfinden dies eher als unangenehm und bedrohlich. Die Konzentration auf ein gemeinsames Spiel, der Wunsch immer wieder das gleiche Kommando noch freudig auszuführen sind individuell verschieden.
Nicht jeder pädagogisch eingesetzter Hund deckt alle Möglichkeiten des Einsatzes ab. Möglichkeiten und Grenzen des jeweiligen Tieres einzuschätzen und Begegnungen so zu gestalten, dass sie für ALLE Beteiligten positiv erlebt werden, gehört zu den Pflichten der Lehrkräfte.
In jeder Situation, in der Schüler*innen und Hund sich begegnen, obliegen immer der Pla-nung, der Leitung und der situativen Einschätzung und der Handlungsverpflichtung der jeweiligen Lehrkraft, die ihrer Verantwortung sowohl den Schüler*innen als auch dem Tier gegenüber gerecht werden muss.

5. Arbeitsformen
Die konkrete Methode und Arbeitsform hängt von der jeweiligen Lehrkraft und ihrer pädago-gischen Zielsetzung ab.

  • theoretische Annäherung und Auseinandersetzung mit dem Thema Hund
  • gestalterische Arbeiten zum Thema Hund (z.B. Collagen)
  • Bearbeitung von sachkundlichen bzw. biologischen Themen/Fragestellungen
  • Erarbeitung von Verhaltensregeln gegenüber den Hunden an der Schule und Hunden allgemein

Grundsätzlich sind alle Stunden mit dem Hund sehr unterschiedlich und auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler*innen bezogen.

Drei grundsätzliche Arten der Begegnung

Stark im Voraus geplante, klar strukturierte Situationen mit konkreten Zielen

  • bestimmte Sachinhalte bearbeiten - z.B. Körperbau des Hundes, Fellpflege, Gebiss, Futteranleitung
  • Betasten des Hundes als taktile Wahrnehmungsübung - Haut-Fell-Kontakt
  • Kommandoarbeit - z.B. leichte Agilityübungen

Individuelle Begegnung zwischen Mensch und Hund
der Ablauf ist nur begrenzt planbar, weil er stark interaktiv angelegt ist. So kann z.B. eine Erstbegegnung eines ängstlichen Kindes eine reine Beobachtung von einem „gesicherten Ort“ aus sein. Das Ziel muss weiter gefasst sein. Sie kann aber auch bis zu einer direkten Begegnung oder sogar einem körperlichen Kontakt führen. Das Tempo wird von dem Kind be-stimmt. Die Möglichkeiten schafft die Lehrkraft.

Mischformen
z.B. Spaziergang mit dem Hund, Verhalten an der Straße, Begegnungen mit anderen Menschen und Hunden, Leinenführung, Spielsequenzen.
In den Förderstunden „tiergestützte Pädagogik“ entscheiden die Schüler*innen , ob sie die einzelnen Übungen mit dem Hund durchführen oder Spielsequenzen mitmachen wollen oder zunächst nur zuschauen wollen. Wichtig in diesen Stunden ist, dass die Schüler*innen Spaß und Freude bei der Begegnung mit dem Hund haben, Ermutigung und Lob erfahren und eine friedliche Atmosphäre angestrebt wird.
Je besser die Kinder befähigt werden, die Signale des Hundes zu lesen, seine „Sprache“ zu verstehen und zu respektieren, umso leichter fällt es ihnen, die eigenen Signale zu reflektieren und bewusst einzusetzen.

6. Schlussbemerkung
Tiere und speziell Hunde sprechen nicht alle Schüler*innen gleichmäßig an. Dennoch sind die Lehrkräfte davon überzeugt, dass den Schüler*innen durch diese Art der tiergestützten Arbeit ein näherer Zugang zu Tieren, speziell zu Hunden, zu ihren Mitmenschen und sich selbst ermöglicht wird.